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Die Alpstein Therapie

  • Autorenbild: Sabine Lang
    Sabine Lang
  • 23. Juni 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Dez. 2025


2021 - es ist ein schwieriges Jahr mit einem gesundheitlichen Tiefpunkt. Einige Monate sind vergangen seit dem Anruf, der mein Leben auf den Kopf gestellt hat. Ich brauche Abstand. Vom Alltag, vom Müssen, vom Sollen, von Spitälern, Ärzten, von gutgemeinten Ratschlägen und unnützen Kommentaren. Von Menschen. Von allem.


Ich packe meinen Rucksack für vier Tage Auszeit – nur ich, meine Gedanken und die Berge (ja ok, meine Kamera ist auch dabei, schliesslich gibt es dort Steinböcke 😉).


Vom Hohen Kasten zur Bollenwees

Es fällt mir nicht leicht, meinen Plan wirklich umzusetzen. Ich war noch nie alleine wandern, und je näher der Abreisetag rückt, desto lauter werden die Zweifel in meinem Kopf. Zum Glück habe ich das Zugticket längst gekauft, die Unterkünfte reserviert und mein Vorhaben stolz in die Welt hinausposaunt. Rückzieher? Keine Chance. Ich habe mich selbst in die Pflicht genommen – also los jetzt!


Startpunkt: Hoher Kasten. Der Weg führt mich via Staubern zur Saxerlücke und schliesslich zur Bollenwees. Ich geniesse die Aussicht auf die Seen und die Berge, die Sonnenstrahlen und das Alleinsein. Vor allem beim Essen wird man manchmal etwas bemitleidend angeschaut, so ganz ohne Begleitung. Tatsächlich kann ich mir in diesem Moment nichts Besseres vorstellen als meine Rösti mit Blick auf den Fählensee, dazu eine fast schon kitschige Abendstimmung!



Kitsch mich, Sonne!

Am Morgen geht der Kitsch gleich weiter, bei einem wunderbaren Sonnenaufgang am See. Kein Mensch, kein Laut – ich lasse jede Sekunde auf mich wirken.


Und schon beim Aufstieg zum Zwinglipass sehe ich Bewegung in den Felsen! Gämsen, die sich an der Morgenstimmung genauso zu erfreuen scheinen, wie ich. Faszinierend, wie flink sie den steilen Wänden entlang flitzen! In der Zwinglipasshütte geniesse ich den Ausblick der Churfirsten und wandere weiter zum Mutschensattel, den Kreuzbergen und schliesslich zur Gamplüt-Bergstation.


Für die Gondel nach Wildhaus bin ich dankbar – meine Beine feiern Pause. Zum Abendessen gibt es Käsespätzli und ein Glas Wein, begleitet von einem Gefühl tiefer Zufriedenheit.



Regen, Zweifel und Alpstein-Safari

Am dritten Tag ist es vorbei mit Sonnenschein und damit auch mit meiner Motivation. Kann ich nicht einfach den ganzen Tag im Bett bleiben? Ich rufe meinen Bruder an, er hört sich mein Gejammer an und überzeugt mich, meine Tour fortzusetzen. Auf mein Brudi ist Verlass ♡.


Alles wasserdicht verpackt, wieder mit der Gondel hoch nach Gamplüt, durch nebligen Wald Richtung Rotsteinpass. Unterwegs begegne ich niemandem und erinnere mich an den Anruf meiner Mutter am Vorabend: „Pass auf, es hat überall Wölfe.“ Danke Mami - das hilft wirklich sehr, wenn man alleine durch raschelndes Unterholz stapft. Ich suche mir vorsichtshalber einen besonders spitzen Stein. Ob der wohl helfen würde? Natürlich nicht. Aber die Einbildung erfüllt ihren Zweck.


Wölfe sehe ich keine. Dafür Murmeltiere (auch die können knurren!), und – endlich!

Steinböcke. Sie sind zwar etwas weit weg, aber ihre Yoga-Übungen sind trotzdem spannend anzusehen 😊.


Auf dem Rotsteinpass lege ich eine Pause ein, bevor ich zur Meglisalp weitergehe. Dort warten ein kleines, urgemütliches Zimmer und ein unterhaltsamer Abend mit anderen Solo-Wanderinnen auf mich.



Etwas zu viel Höhenluft? 😉


Abschied via Seealpsee

Früh am nächsten Morgen schnüre ich zum letzten Mal die Schuhe. Es geht über die Ageteplatte zum Unteren Mesmer und weiter zum Seealpsee. Ausser für ein paar Fotos mache ich keine Pausen, da ich frühzeitig zu Hause ankommen möchte. Am Bahnhof in Wasserauen endet meine Tour.


Mein Fazit? Allein wandern ist eine Begegnung mit der Natur, aber vor allem mit sich selbst. Mein Kopf ist voll mit Bildern, Gedanken und – ganz wichtig – der Erkenntnis: Das mache ich wieder. Und zwar schon bald!




Tag 1

Start

Hoher Kasten

Ziel

Bollenwees

km | Dauer

8.8 km | 3:20 h

Höhenmeter

↗ 556 m ↘ 872 m

Wanderkarte

Tag 2

Start

Bollenwees

Ziel

Gamplüt

km | Dauer

13.9 km | 5:00 h

Höhenmeter

↗ 866 m ↘ 985 m

Wanderkarte

Tag 3

Start

Gamplüt

Ziel

Meglisalp

km | Dauer

9.9 km | 4:10 h

Höhenmeter

↗ 918 m ↘ 755 m

Wanderkarte

Tag 4

Start

Meglisalp

Ziel

Wasserauen

km | Dauer

9.2 km | 3:25 h

Höhenmeter

↗ 392 m ↘ 1'040 m

Wanderkarte


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