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Bovarinahütte und Lago Retico

  • Autorenbild: Sabine Lang
    Sabine Lang
  • vor 18 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
Morgenstimmung mit Sonnenstrahlen und Gebirgsbach beim Anstieg von der Bovarinahütte zum Lago Retico

Die letzten vier Tage war ich mit einer Freundin unterwegs – über die Greina ins Bleniotal, vom Lukmanier auf einer Rundtour zur Cadlimohütte und zurück. Ab heute geht es alleine weiter.


Während meine Freundin am Morgen den Bus Richtung Disentis/Mustér nimmt, geht für mich das Wanderabenteuer weiter. Die Tour 20 im Rother Wanderführer «Surselva» – mit Übernachtung in der Bovarinahütte – stand schon länger auf meiner Liste, und nach Hause wollte ich noch nicht.


Tag 1 - Vom Lukmanier zur Bovarinahütte


Ich habe viel Zeit. Die Wanderung soll nur etwa drei Stunden dauern, und ich freue mich auf einen gemütlichen Nachmittag mit Sonne im Gesicht und einem Buch in der Hand. Der Weg führt zunächst durch weite Alpweiden hinauf, Richtung Passo di Gana Negra.


Beim ersten Aufstieg hält mich eine Frau an. Sie redet so schnell und so viel – ich verstehe kein einziges Wort! Als wir schliesslich geklärt haben, dass ich keinen Tessiner Dialekt spreche, teilt sie mir auf Italienisch mit, dass sie ein paar Kilogramm Zucchini hätte, die sie in die Hütte bringen möchte. Bei aller Liebe – mein Rucksack wiegt schon genug. Ich zeige ihr, wie sie von der anderen Talseite am einfachsten dorthin kommt. Leider sehe ich sie nicht mehr wieder; ihr Gemüse landet wohl in einem anderen Kochtopf. 😉


Der Aufstieg lohnt sich: Oben erwartet mich ein gewaltiges Panorama auf die Adulagruppe, bizarre schwarze Schieferformationen und den Luzzonestausee. Weidende Kühe und rauschende Bergbäche machen die Idylle perfekt.



Bei einem kleinen Tümpel gefällt es mir so gut, dass ich mich eine Weile unter einen Baum setze. Die Wolken spiegeln sich im Wasser, weit und breit ist niemand zu sehen, ich geniesse jeden Moment, hier und jetzt. Tun wir das nicht viel zu selten? Als ich in der Hütte ankomme, gönne ich mir eine Tessiner Polenta und ein Rivella und verbringe den Rest des Tages mit Lesen und Entspannen.


Idyllischer Bergtümpel mit Lärchen und Wolkenspiegelung auf dem Weg zur Bovarinahütte

Die Hütte ist angenehm ruhig, das Abendessen in kleiner Runde herzlich und auf dem Teller landet etwas Feines! Ein echter Geheimtipp.


Tag 1 | Eckdaten und Wanderkarte

Start

Lukmanierpass

Ziel

Bovarinahütte SAC

km | Dauer

8.1 km | 03:10 h

Höhenmeter

↗️ 519 ↘️ 565

Anforderung

T2 | Mittel

Wanderkarte

Datum

11.08.2023



Tag 2 – Zum Lago Retico und durchs Val Cristallina nach Pardatsch


Schon der letzte Tag? Dabei sind wir doch erst gerade bei Schnee in Puzzatsch losgewandert! Ich bin früh dran – am Abend treffe ich mich mit Freunden, und mit Zug und Bus ab Disentis/Mustér bin ich fast vier Stunden unterwegs. Also nichts wie los!


Es ist ein fantastischer Morgen. Die Luft ist klar, das Licht weich, und meine Kamera hat einen anstrengenden Start in den Tag. Über den Lago Retico – ein wunderschöner Bergsee auf rund 2'300 m ü.M., eingebettet zwischen Felsen und Alpwiesen – wandere ich durchs Val Cristallina nach Pardatsch. Der Bus fährt in Pardatsch nicht oft vorbei, ich darf also nicht zu viel Zeit verlieren – auch nicht mit Wollgras fotografieren. 😉


Das Val Cristallina ist ein langgezogenes, ursprüngliches Tal im Herzen Graubündens, kaum erschlossen, ruhig und weit. Der Weg folgt dem Talboden, mal über Wiesen, mal über Geröll, immer begleitet vom Blick auf die umliegenden Gipfel. Ich weiss, dass es in der Gegend nach dem See Herdenschutzhunde geben könnte – zum Glück sind heute keine in Sicht.



Gegen Ende zieht sich die Wanderung. Man hat das Gefühl, nie anzukommen, die Beine werden schwerer, der Rucksack auch. An der Bushaltestelle heisst es dann: eine halbe Stunde warten. Das wäre halb so schlimm – wenn es nicht plötzlich anfangen würde zu regnen. Wie aus Kübeln! Kein Unterstand weit und breit. Ich habe zwar einen Regenschutz dabei, sehe aber trotzdem aus wie ein begossener Pudel – und fühle mich auch so. Im Bus ist es zum Glück warm, ich bin schnell wieder trocken – und lasse die letzten sechs unvergesslichen Wandertage auf dem Heimweg Revue passieren.


Schnee zum Auftakt, Regen zum Abschluss – und dazwischen sechs Tage, die ich so schnell nicht vergesse. Wetterglück, Begegnungsglück, Steinbockglück, Landschaftsglück. Es war einfach nur schön.


Tag 2 | Eckdaten und Wanderkarte

Start

Bovarinahütte SAC

Ziel

Pardatsch

km | Dauer

12 Kilometer | 04:25 h

Höhenmeter

↗️ 539 ↘️ 850

Anforderung

T2 | Mittel

Wanderkarte

Datum

12.08.2023


💡Möchtest du noch nicht nach Hause?


Meine sechs Wandertage setzen sich aus drei zweitägigen Touren zusammen – sie lassen sich gut kombinieren (allenfalls in umgekehrter Richtung, oder in einer anderen Reihenfolge), aber jede ist auch für sich ein Erlebnis. Ich könnte mich nicht für eine Favoritin entscheiden 😉




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