Greina - von Puzzatsch ins Bleniotal
- Sabine Lang
- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 10 Stunden

Wenn man mit einer Freundin etwas vorhat und beide so unglaublich viele Ideen haben, wird alleine die Planung zu einem kleinen Projekt. Vom Rucksack Packen reden wir am besten gar nicht! Sechs Wandertage liegen vor mir, nach stundenlanger Recherche und mit viel Vorfreude - morgen geht es los. In diesem Bericht schreibe ich über die ersten beiden Tage, die anderen sind weiter unten verlinkt.

Tag 1 - Von Puzzatsch zur Terrihütte
Seit Jahren sprechen wir davon, und nun ist es endlich so weit: die Greinaebene. Wir haben lange im Voraus die Zug- und Bustickets gekauft, um Anfang August von Baden nach Puzzatsch zu reisen – dem Ausgangspunkt unseres ersten Wandertages. Ab Vrin reist man mit dem Bus alpin, den man unbedingt im Voraus reservieren sollte!
Puzzatsch liegt am Ende des Val Lumnezia, eines der schönsten Seitentäler Graubündens, das sich vom Rhein bei Ilanz gut dreissig Kilometer weit nach Süden zieht. Das romanische Wort Lumnezia bedeutet so viel wie «Land des Lichts» – ein Name, der dem Tal an schönen Tagen durchaus gerecht wird. Die Gegend ist bekannt für ihre traditionelle rätoromanische Kultur und die charakteristischen Walserarchitektur-Dörfer, die sich wie aufgereiht an den Berghängen schmiegen. Füchse und Hasen haben wir keine gesehen, aber sie würden sich dort bestimmt gute Nacht sagen – oder wie es hier heisst: buna notg.
Als wir aus dem Alpenbus steigen, wird uns ziemlich schnell klar, dass der erste Wandertag eher ungemütlich werden könnte. Es hat geschneit. Im August. Tja, da kann man wohl nichts machen – bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wir haben zum Glück Mützen und Handschuhe dabei; sie sind ohnehin gute Freunde in den Bergen, denn was einen erwartet, weiss man ja nie. Offensichtlich.
Ab Puzzatsch geht die Wanderung zunächst nur in eine Richtung: aufwärts. So ist die Kälte schnell vergessen, und oben angekommen sowieso – denn selbst an einem verhangenen Tag ist die Aussicht sehr eindrücklich. Die Greinaebene, auf rund 2’400 Metern gelegen, ist eine der letzten grossen unberührten Hochebenen der Alpen. In den 1980er-Jahren wurde sie zum Symbol des Schweizer Umweltschutzes, als eine breite Volksbewegung erfolgreich verhinderte, dass der Greina-Stausee gebaut wird. Seither steht die Ebene unter Schutz: keine Strassen, keine Liftanlagen, nur unberührte Weite.
Vom Pass Diesrut geht es bergab, über eine Hängebrücke und schliesslich zur Terrihütte (Camona da Terri). Da das Wetter wenig einladend ist, machen wir kaum Pausen und erreichen unser Ziel früh am Nachmittag. Die Hütte ist gross – sie bietet über 100 Schlafplätze, und je später der Tag wird, desto mehr füllt sie sich. In unserem Zimmer hat es gefühlte fünf Grad. Das könnte eine lange Nacht werden. Die Sicht aus dem Fenster auf eine Herde Steinböcke, eine Crèmeschnitte und ein – oder zwei – Apéros lassen diesen Gedanken jedoch schnell in den Hintergrund rücken.
Wir spielen Rummy, geniessen unser Abendessen und ehe wir uns versehen haben, schlafen wir tief und fest wie ein Murmeltier ✨
Tag 1 | Eckdaten und Wanderkarte
Start | Puzzatsch |
Ziel | Camona da Terri CAS |
km | Dauer | 7.5 km | 03:40 h |
Höhenmeter | ↗️ 838 ↘️ 337 |
Anforderung | T3 | Mittel |
Wanderkarte | |
Datum | 07.08.2023 |
Tag 2 - Über den Greinapass ins Bleniotal
Da die Strecke ziemlich lang ist, entscheiden wir uns für den direkten Weg über den Greinapass. Das Wetter ist schon am Morgen besser als am Vortag, und die Vorhersage für den restlichen Tag ist vielversprechend. Wir hatten uns nicht zu viel erhofft - die Landschaft ist ein Traum: kleine Seen, Wasserläufe und überall mein geliebtes Wollgras. Vor lauter Fotomotiven vergisst man fast das Wandern!
Unser Zwischenziel ist die Scalettahütte, wo wir eine Pause einlegen und überlegen, wie wir unseren Weg nach Campo Blenio am besten fortsetzen. Während wir Kaffee schlürfen, beobachten wir eine Steingeiss mit Kitzen, die auf dem Fels gegenüber herumspringen. Wir können unser Glück kaum fassen, die Kleinen von so nah erleben zu dürfen – was für ein Moment.
Jenseits des Passes verlassen wir den Kanton Graubünden und treten ins Tessin über, genauer ins Bleniotal. Das Tal ist eines der ursprünglichsten des Tessins, geprägt von mittelalterlichen Dörfern und Kastanienwäldern. Es gehört zur Leventina-Bergwelt und ist touristisch noch wenig erschlossen.
Der Bus ab Pian Geirett würde erst viel später fahren, also gehen wir zu Fuss weiter bis nach Campo Blenio und fahren schliesslich von dort nach Olivone. Einen Teil des Weges muss man auf einer asphaltierten Strasse zurücklegen; es sind sehr schöne Abschnitte dabei mit Wasserfällen, Blumen und Murmeltieren, aber es zieht sich ganz schön hin.
Wir übernachten im Cuore Alpino – was eigentlich eine gute Adresse wäre, würde der Kirchturm nicht gefühlt mitten im Schlafzimmer stehen und sich alle fünfzehn Minuten lautstark bemerkbar machen. 😂
Am Abend kocht die Gastgeberin Risotto - mit einem Lächeln im Gesicht lassen wir den Tag Revue passieren und freuen uns schon auf morgen, unser Abenteuer ist nämlich noch nicht zu Ende!
Tag 2 | Eckdaten und Wanderkarte
Start | Camona da Terri CAS |
Ziel | Campo Blenio |
km | Dauer | 16.6 Kilometer | 05:05 h |
Höhenmeter | ↗️ 342 ↘️ 1'299 |
Anforderung | T3 | Schwer |
Wanderkarte | |
Datum | 08.08.2023 |
💡Möchtest du noch nicht nach Hause?
Meine sechs Wandertage setzen sich aus drei zweitägigen Touren zusammen – sie lassen sich gut kombinieren (allenfalls in umgekehrter Richtung, oder in einer anderen Reihenfolge), aber jede ist auch für sich ein Erlebnis. Ich könnte mich nicht für eine Favoritin entscheiden 😉


















































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